Blog Überblick

14.04.2019 – WOHNUNGSBAU - OHNE REGULIERUNG –  
wieder ein deutsches Projekt…

02.04.2019 – PHÖNIX AUS DER ASCHE –  
Reflexionen nach der Arbeit

28.04.2015 – EINZAHL UND MEHRZAHL –  
Design vs. Uniform

03.09.2014 – LESS IS MORE ? –  
Warum sich der Architekt heute…

20.06.2014 – KREATIVDUMPING –  
Der Umgang mit den eigenen Mitarbeitern

23.10.2013 – VORBILDWIRKUNG –  
Das Jahr ist noch nicht vorbei...

Zum Beispiel mit nur sechs…

24.09.2013 – FARBENSALAT UND LEUCHTKRAFTVERLUST –  
Nachbetrachtung zur Bundestagswahl

01.07.2013 – DARF ES NOCH EIN KEKS SEIN? –  
„Mach die Augen zu! Hier hast…

Blog vom 14.04.2019

WOHNUNGSBAU - OHNE REGULIERUNG

wieder ein deutsches Projekt ohne Termine, Qualitäten und Kosten...

Der Politik fehlt es an allem, vor allem an Vermögen und Kreativität. Die Ziele eines Politikers messen sich an Zeiträumen der Legislative. Alle Projekte, für die Energie aufgewandt wird, sind zur öffentlichen Ausschlachtung im Rahmen der geplanten Wiederwahl konzipiert. Die Fähigkeit strategisch zu denken und den notwendigen Mut zu fassen sich der Immobilienwirtschaft kommandierend in den Weg zu stellen und alles umzukrempeln, sieht man derzeit bei Keinem der amtierenden deutschen Entscheidungsträger.
 
Die Politik will bis zum Ende der Legislaturperiode 1,5 Millionen neue Wohnungen „bauen“. Allein schon diese Idee ist unrealistisch, da die Politiker oder die Parteien ja selbst nicht bauen... In den Großstädten bestimmen die kommunalen Wohnungsunternehmen kaum noch den Markt. Zu viel des städtischen Vermögens ist während der „Schrumpfungszeit“ in den Neunzigern privatisiert worden. Das rückgängig zu machen, ist aus heutiger Sicht schier unmöglich. Es kann deshalb nicht darum gehen, das Engagement großer Investoren in Frage zu stellen, oder ihnen die schon fertig gestellten Projekte wieder wegzunehmen – so wie es Berliner Aktivisten gerade fordern, sie wollen die großen Immobilienunternehmen mit mehr als 3.000 Wohnungen enteignen! Der §87 des Baugesetzbuchs ist dafür zu schwach formuliert und bietet keine handfeste Grundlage.
 
Da die privaten Investoren sich nicht an gesellschaftlich übergreifendem Bedarf orientieren, sondern an dem, was möglich ist, steht immer die Gewinnmaximierung im Fokus. Und es kann auch nicht der Gerechtigkeit dienen, wenn die letzten noch verbliebenen kommunalen Unternehmen sich darum kümmern müssen, all diejenigen in Ihren Häusern aufzunehmen, die zu den Schwachen und Benachteiligten der Gesellschaft gehören.
 
Das Ergebnis dieser Entwicklung wird eine Stadt sein, die unter einer neuen Form von Segregation leidet. Noch sind die Areale nicht eingezäunt, wie in den USA oder Südafrika. Doch schon jetzt merkt man, was es heißt, wenn ein Stadtteil plötzlich im Fokus der Investoren und Makler steht.
 
In Berlin werden ganze Stadtbezirke umgekrempelt, generalsaniert, entkernt und erneuert und damit ihrer gewachsenen Strukturen beraubt. Die Viertel kippen, sie haben nichts mehr mit dem Kiez zu tun, der einmal davor existierte. Ähnliches passiert gerade in München, freigewordene innerstädtische Gewerbe- und Firmenareale mutieren zu neuen Luxusloft-Apartment-Hochhaus-Geschwüren, die sich ungehindert ausbreiten. Aufgrund des immensen Drucks durch Zuzug und Inaktivität der politischen Entscheidungsträger explodieren die Preise. Ein Ende ist derzeit nicht abzusehen. Aktuell wird in München gerade einmal ein Fünftel der Wohnungen gebaut, die tatsächlich jährlich benötigt werden. Doch die Kommunalpolitik klopft sich laut auf die Schulter und fabuliert von der Mietpreisbremse.
 
Die Kommunen setzen keine verbindlichen Rahmenbedingungen fest, welche eine durchmischte Struktur in den Mehrfamilienhäusern als auch übergreifend in den Stadtteilen einfordern. Die Bauindustrie optimiert ihre Bauweisen und erhebt das Kopieren der Geschosse und Vereinheitlichen der uniformer Baulösungen in den Adelsstand vereinheitlichter Miet- oder Eigentumsstrukturen. Was in 20 Jahren mit den Vierteln passiert, kann man sich lehrbuchhaft im Berliner Süden anschauen. Viertel, die dort in den frühen Achtzigern gebaut wurden, leiden nun an einer Stagnation hervorgerufen durch gleiche Altersstrukturen – früher Familien mit Kindern, heute nur noch Rentner – im Neudeutschen heißt das schlicht geplante Gentrifizierung.
 
Ein derzeit viel diskutiertes Gegenmodell zu dieser Entwicklung ist das Wiener Modell der geförderten Wohnungen. Es ist grundsätzlich gut, doch würde es aus meiner Sicht in den teuren Ballungszentren wie in München schon deshalb scheitern, weil es hier keinen preiswerten Baugrund mehr gibt und damit die gesamten Kauf- und Herstellungskosten im Projekt nicht durch niedrige Mieten refinanziert und getragen werden können. 
 
Grundsätzlich muss eine gerechtere Lösung her, die - meiner Meinung nach - nur durch eine Novellierung des Bundesbaugesetzes oder der Landesbauordnungen hergestellt werden kann. Es müssen alle Mehrfamilienhausbauten so erstellt werden, dass sie in einem vorgegebenen Verhältnis a) große, mittlere und kleine Wohnungen als auch b) mindestens zu einem Drittel anteilig Wohnraummieten gemäß kommunaler Festsetzung (5,00 – 7,50 €/m²) anbieten müssen. Diese Festlegung darf nicht nach einer bestimmten Zeit ablaufen, sondern muss erhalten bleiben und ist durch Vorlage der Mietverträge nachzuweisen.
 
Die Projektentwicklung solcher Vorhaben wird sich daran anpassen und Konsequenzen haben. Zum einen werden dadurch insgesamt mehr erschwingliche Wohnungen entstehen, die Stadtteile werden sich auf lange Sicht gesünder entwickeln, da für unterschiedliche Lebenskonzepte und -phasen unterschiedlicher Wohnraum zur Verfügung steht. Andererseits werden aber auch die frei vermieteten Wohnungen in den Mehrfamilienhäusern insgesamt etwas teurer werden, da sie die Mischkalkulation fürs Gesamtprojekt stützen müssten. Doch das wird immer noch besser sein, bei denjenigen den Preishebel anzusetzen, die den Standard sich leisten können, als bei denjenigen, die es nicht können.
 
Auch für den Bestand gibt es einen Lösungsansatz. Sobald bauliche Veränderungen an einem Mehrfamilienhaus einer Baugenehmigung bedürfen und die bisherigen Mieter / Bewohner das Haus während der Bauphase verlassen müssen, sollten diese Anforderungen auch auf alle Baugenehmigungen beim Bauen im Bestand angewandt werden. Der sogenannte Bestandsschutz muss dadurch entfallen. Auf dem Immobilienmarkt muss jeder Besitzer seinen Bestand sanieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. So kann er sich nicht dem nunmehr neudefinierten Wohnungsmarkt entziehen. Wenn die Anforderungen an alle Marktteilnehmer gleichermaßen gerichtet werden, werden sich bei privaten als auch kommunalen Vermietern die Mieterstrukturen angleichen und sich im Stadtbild ausgewogene Wohnstrukturen herausbilden. Der Gettoisierung würde Einhalt geboten werden.
 
Darüber hinaus muss es gelingen, die Spekulanten aus dem Markt zu drücken. Jeder, der einen Bauantrag stellt und damit das Baurecht genehmigt bekommt, muss zukünftig per Gesetz verpflichtet werden, die Investition innerhalb von 2 Jahren auszuführen. Wenn man weiß, dass derzeit grundsätzlich fast doppelt so viele Bauanträge gestellt werden, wie später tatsächlich realisiert werden, weiß man auch um die Masche der Heuschrecken. Der Preis wird künstlich in die Höhe getrieben, nur weil man eine Baugenehmigung für das Grundstück erwirkt hat. Es gibt genügend dieser Projektentwickler, diese haben nichts auf dem Markt zu suchen. Sie blockieren langfristig nur Grundstücke, die eigentlich schon längst bebaut sein könnten.
 
Und als weitere Maßnahme muss der Investor dazu gepuscht werden, alle Grundstücke größer 1.000 m², für die es eine städtebauliche Festsetzung für mehrgeschossigen Wohnungsbau oder eine Baugenehmigung für Wohnungsnutzungen gibt, auch tatsächlich zu bebauen. Sollte der Besitzer, eine Frist von vier Jahren ab Festsetzung oder Genehmigungserteilung verstreichen lassen, ohne die Wohnbebauung zu erstellen, muss die Kommune automatisch ein nicht anfechtbares Kaufrecht erhalten, das Grundstück 30% unter marktüblichem Preis zu erwerben.
 
Den Wohnungsbau ohne Regulierung gibt es nicht und kann es auch nicht geben, man muss ihn kanalisieren, ihn zielgerichtet vorantreiben, damit er in entsprechender Stückzahl und Qualität auch in Zukunft bereitgestellt werden kann. Nur so wird aus dem Projekt "Wohnungsbau" eine realisierbares.
 
(Foto © Wangkaili91, 01.02.2019, ID 141020494, Dreamstime.com – lizenzfrei – Marina City Chicago – als gemischtes Konzept Wohnen-Arbeiten-Kultur, 1964 fertiggestellt, Architekt Bertrand Goldberg)

Blog vom 02.04.2019

PHÖNIX AUS DER ASCHE

Reflexionen nach der Arbeit

Soll sich der Vogel aus der Asche erheben, muss er erst einmal brennen. Jedes neue Bauprodukt in Deutschland muss erst einmal ausgiebig getestet und zu aller erst einmal verbrannt werden. Oder anders gesagt: Entwickle es, verbrenne es und dann darfst Du es bauen!
 
Einmal dabei zu sein, ist für jeden Architekten und Ingenieur ein spannender Prozess und man fragt sich, ob man die eigenen Ideen damit zu Grabe trägt, damit sie dann weiterleben können. Reflektiert man weiter, hat dieser zerstörerische Vorgang schon viel früher angefangen, denn alle Ideen, die davor notwendig waren, um zu diesem Produkt zu gelangen, wurden schon viel früher begraben. Nur das das Ganze nicht so brutal wie in einem Brandversuch vonstattenging. 
 
Erst das Zünden des Ofens im Brandlabor finalisiert den langen Schöpfungsprozess. Die Beteiligten verfolgen die Bildschirme auf denen die Verformungen und Temperaturen an den Messpunkten live angezeigt werden, mit zunehmender Dauer pflanzt sich die Hitze im Ofen als Fieber beim Betrachter fort. Schaffen wir das selbst gesteckte Ziel? Jede Veränderung bei den Werten wird ausführlichst kommentiert und der Ausgang in die eine oder andere Richtung vorausgesagt. Die Zeit verrinnt, die Ziellinie rückt immer näher – immer mehr Beobachter gesellen sich dem Geschehen zu. Dann ist es geschafft, die Handys werden gezückt und die Ergebnisse als digitaler Virus im Netz verbreitet. Freude bei allen Beteiligten...
 
Nur der laute Knall, der das plötzliche Ende der zusammenbrechenden Konstruktion verrät, erinnert uns daran, dass man erst etwas zerstören muss, um etwas neues zu schaffen.

Blog vom 28.04.2015

EINZAHL UND MEHRZAHL

Design vs. Uniform

Industrielle Fertigung als Grundlage des wirtschaftlichen Bauens benötigt Massenproduktion, Massenproduktion steht für hohe Stückzahlen, denn Maschinen rentieren sich nur bei entsprechender Auslastung. Hohe Stückzahlen generieren erhöhte Wiederholungseffekte in unserer gebauten Umwelt. Wiederholung erzeugt gestalterische Monotonie und wird zur gebauten Uniform. Uniforme Gestaltung führt in aller Konsequenz zu einer reduzierten Sinneswahrnehmung, es werden nur noch Dinge wahrgenommen, die sich in der gleichen Gestaltungswelt bewegen und durch eine geschickte Werbung als erstrebenswert und trendig gelten. Der konsumgetriebene Herdentrieb verdrängt jegliche persönliche Neigung eigenes zu entwickeln. Das Sich-Ausprobieren und auch mal Daran-Scheitern hat in der persönlichen Lebensgestaltung schon längst keinen Platz mehr, wie soll man dann noch wachsen können? Individuelles Gestalten wird nur noch auf das Neu-Arrangieren vorgegebener Systembausteine reduziert, doch nie mehr auf das komplette Neudenken.
 
Unsere Kinder wachsen in einer Umgebung des reduzierten Ausprobierens auf, sie ist geistig steril und ein gestalterisches Wüstend. Sie rezipieren die Umgebung, doch sie formen und gestalten sie nicht mehr. Sie schauen heute mehr fern, als dass sie etwas selbst basteln und formen. Sie spielen mehr mit dem Gamecontroller als mit den Nachbarskindern. Das führt zu fehlender sozialer Interaktion und einer Unterbindung des Gedankenaustauschs. Verschwindet oder reduziert sich das soziale Feedback aus der Entwicklung kindlicher Gestaltungsfertigkeiten hat das auf die Zukunft des Individuums fatale Auswirkungen. Auch heute schon bemerke ich einen Schwund an kreativer Leistungsfähigkeit. Es ist erschreckend, wie viele Hochschulen der Architektur das freie Zeichnen verkümmern lassen. Es wird nur noch trainiert, die Symbolbibliotheken der CAD-Software richtig einsetzen zu können. Der Begriff des „Dreidimensionalen Gestaltens“, ob mit dem Stift oder einem Material, differenziert sich im deutschen Hochschulsprachgebrauch langsam zum Fremdwort. Fragt man nach Handskizzen bei Bewerbern, kommt häufig als erste Antwort: „Oh, da muss ich erst mal nachschauen...“
 
Als Architekt, der sich neben dem Ingenieursdasein im wesentlichen auch als Gestalter (neudeutsch: Designer) begreift, bin ich natürlich ein unermüdlicher Protagonist des Neudenkens. Ich lass mich nicht abschrecken von „Das geht nicht, das steht so nicht in der Norm“ oder von „weil es keine Zulassung hat“. Normen stehen für wiederholte und mehrfach erprobte Techniken oder Fertigungsprozesse und sind Feind jeglicher Kreativleistung. Sie sind gut zum Gewährleisten qualitativer Mindeststandards, doch sie sind Bremser beim Schaffen gleichwertiger Individuallösungen. Hier hat die „Uniform des Denkens“ schon längst den Weg zur geistigen Sterilität vorbestimmt.
 
Um eine Entwicklung nachhaltig vorantreiben zu können, braucht die „Mehrzahl“ der Lösungen auch eine „Einzahl“ des Ausprobierens und Testens. Oder auch einfach des Anders-Seins. Individuelle Einzellösungen zur Entwicklung marktreifer Serienlösungen, individuelle Designs zum Anregen neuer Trends. Ein Steve Jobs war nur deshalb so erfolgreich, weil er „verrückt“ genug war, seine Kreativität voll auszuleben. Damit war er zu diesem Zeitpunkt ein Individualist, er war in der „Einzahl“ und konnte sich aufgrund seiner Marketingfähigkeiten im Wettbewerb durchsetzen und wurde damit zur gestalterischen „Mehrzahl“. Das muss nicht Jedermanns Lebensziel sein, doch ein bisschen mehr „Einzahl“ täte unsere Gesellschaft gut und würde mehr zum Denken anregen, was uns vorwärts bringt und weshalb wir hier sind.
 
(Foto © Dariusz Kopestynski | Dreamstime.com, redaktionelle Lizenz, 13.11.2008)
 

Blog vom 03.09.2014

LESS IS MORE ?

Warum sich der Architekt heute zur Reduktion hingezogen fühlt

Beantworten will ich die Frage keineswegs, nein im Gegenteil – ich will sie aufwerfen! Warum soll es schick sein, sich in einem Raum aufzuhalten, in dem die Leere regiert. Wer sagt das uns? Weil es uns in Hochglanzmagazinen, in Kino-Blockbustern als Idee vermittelt wird? Unterschwellig ist es sehr reizvoll sich diesen Bildern zu ergeben, weil sie doch so viel anders sind, als das eigene Umfeld. Und da ist sie wieder - die Macht der Bilder und des Visuellen.

Als der Mensch noch unverhüllt als Jäger und Sammler in der Natur unterwegs war, half ihm sein aufrechter Gang schon von weitem seine Beute zu erkennen. Ja, wir sind visuelle Jäger – auch heute noch. Seien wir ehrlich, modisch kleiden wir uns, vorwiegend weil wir darin gut aussehen, weniger weil wir uns drin wohl fühlen wollen.

Ähnlich verhält es sich mit der Architektur, wir schaffen instinktiv Gebäude nach visuellen Hip-Is-Cool-Kriterien, wollen zwar funktionalen, wirtschaftlichen und nachhaltigen Anforderungen gerecht werden, doch letzten Endes stellt uns das EGO verflixt noch mal ein Bein und fällt für uns die letzte Entscheidung rein aus ästhetischen Gesichtspunkten. Doch wieso wollen wir dann leere Räume schaffen? Fühlt man sich darin besser, ist es angenehmer in einem kühlen, abweisenden, leeren Raum zu leben oder sich aufzuhalten?

Und nun kommt der zweite Urtrieb zum Tragen, der des Sammlers. Getrieben entweder aus vergleichenden Instinkten, sammelt der Mensch alles, was seinen sozialen Stand unterstreicht oder besser reflektiert, immer einen Tick mehr oder besser als der Nachbar. Andere mögen nicht materialistisch genug eingestellt sein, entweder weil das monetäre Back-Up fehlt oder einfach nur weil sie andere Lebensziele formulieren. Doch im Grunde sind auch sie Sammler, Sammler an Erinnerungen. Doch auch diese manifestieren sich letzten Endes in Bildern, Büchern oder sonstigen dinglichen Objekten. Wohin dann damit? Natürlich ab in den leeren Raum...

Warum in aller Welt denken dann die Architekten, leere Räume könnten der Weisheit letzter Schluß sein. Nur um sie später befüllen zu können? Die eigentliche Gefahr besteht doch darin, dass irgendeiner mal erkennt, dass leere Räume ein Spiegelbild unserer Selbst sein könnten. Leere Köpfe, leere Räume. Räume ohne Ideen für Neues, Räume der Monotonie und gestalterischen Langeweile. Oder ist es einfach nur Angst, die eigenen Emotionen nach aussen zu tragen, sich eventuell zu blamieren mit einem „schrägen“, seltsam befüllten und eingerichteten Haus wie bei den „Lovegoods“ der Potter-Bücher?

Es fehlt der Mut tatsächlich Neues zu wagen.

Sucht die Inspiration neue Wege zu beschreiten! Es gibt kein Richtig und kein Falsch. Das muss jeder für sich selbst entdecken und bewerten... Das ist ja das schöne daran, dass das Empfinden, was (Bau)Kunst ist, sehr subjektiv ist und nicht vorgeschrieben werden kann.

(Foto © Dmytro Konstantynov – Dreamstime.com – Anonymous Men Holding Empty Sheets Photo)

Blog vom 20.06.2014

KREATIVDUMPING

Der Umgang mit den eigenen Mitarbeitern

Stellenausschreibungen und die damit verbundenen Gespräche mit Bewerbern sind eine gute Gelegenheit einen Überblick über aktuelle Gehaltshöhen für Mitarbeiter zu erhalten und sie miteinander zu vergleichen. Erschreckend aktuell erscheint mir da die politische Diskussion zum Mindestlohn. Es gibt nicht gerade wenige Kollegen meines Berufsstandes, die zahlen ihren Mitarbeitern gerade mal 700 bis 900 Euro/brutto pro vollbeschäftigtem Monat. Wohlgemerkt wir reden hier nicht über studentische oder ungelernte Hilfskräfte, die uns zeitweise unterstützen, sondern über frisch graduierte Mitarbeiter mit einem Hochschulabschluß.

Die neu in Mode gekommene Bezeichnung eines Architekten im Praktikum („AiP“) kommt eigentlich aus der Pflichtpraktikumszeit eines Medizinstudenten, die es im deutschen Architektendasein ausschließlich im Baden-Württembergischen gibt. Hier in Bayern wird der Begriff so oft mißbraucht, nur um nichtwissenden Hochschul-Frischlingen ein in meinen Augen sittenwidriges Dumpingangebot zu offerieren. Und da spielt es keine Rolle, ob der Arbeitgeber ein Professor mit eigenem Atelier, ein großer Marktplayer mit mehreren Niederlassungen oder aber ein lokal agierender, freischaffender Architekt ist, alle spielen mit in diesem Szenario und speisen die Hochschulabsolventen mit einem Fast-Food-Mitarbeiterlohn ab, meist nur für 6 Monate. Zum Vergleich ein AiP in Baden-Württemberg erhielt 2013 einen jährlichen Bruttoverdienst von 30.000 €.

Bei genauerem Hinsehen spielen da aber mehrere Faktoren eine Rolle: erstens der wirtschaftliche Druck insbesondere bei den Hochschulabsolventen der südlichen und östlichen EU-Mitgliedsstaaten, zweitens die Unfähigkeit aller Absolventen sich marktwirtschaftlich zu verhalten (da sie es ja auf den Hochschulen überhaupt nicht vermittelt bekommen), drittens der finanzielle Druck kleinerer Büroeinheiten, deren Einnahmen-Ausgaben-Verhältnis sich in der Regel ungünstiger als bei den Big-Playern darstellt, viertens eine abnehmende soziale Verantwortung der Arbeitgeber und fünftens vor allem ein Honorardumping der Auftraggeber – hier insbesondere durch die öffentlichen Auftraggeber im Zuge von VOF-Verfahren durch bewusste Einschränkungen bei Verhandlungsräumen (niedrigere Honorarzonenvorgabe in der Auslobung, Obergrenzenformulierungen für Umbauzuschläge etc.).

Die Architektenhonorare wurden 2013 nach Jahren der Stagnation endlich um 10%-Punkte angehoben – zum Glück. Jedoch helfen die kaum, da die Preise immer wieder durch ängstliche oder unter Druck stehende Mitbewerber unterlaufen werden. Man muss sich schon fragen, wenn man sich selbst an der untersten Honorarlinie bei Angeboten bewegt, wieso es da immer noch wirtschaftlichere Angebote geben kann?

Die Erkenntnis bei den Auftraggebern, dass nur durch faire Vergütungen auch eine entsprechende Mindestqualität der Leistung generiert werden kann, wird sich bei den bauenden Wiederholungstätern auf lange Sicht von selbst durchsetzen oder sie werden es durch finanziell schmerzhafte Selbsterfahrung am eigenen Leib erleben müssen. Wer denkt, als Architekt habe man sich da nur im Verhältnis zum Auftraggeber abzusichern, der irrt sich gewaltig und hat noch immer nicht verstanden, worin eigentlich der größte Wert des eigenen Ateliers begründet liegt.

Es sind die eigenen Mitarbeiter mit ihrer Kreativ- und Arbeitsleistung, sie erwirtschaften die notwendigen Einnahmen, sie stellen auf lange Sicht eine Entwicklung sicher, sie können unter entsprechender Führung zu Höchstleistungen motiviert werden. Billiglöhne helfen da keinem, nicht dem Mitarbeiter, nicht dem Ateliereigner und vor allem nicht dem Bauherren. Doch das muss erstmal in die Köpfe!

Blog vom 23.10.2013

VORBILDWIRKUNG

Das Jahr ist noch nicht vorbei...

...und sucht dennoch in der jüngeren europäischen Geschichte seinesgleichen. Die Wirtschafts- und Finanzkrise hält den Kontinent in Atem, schüttelt insbesondere unsere südlichen Nachbarn kräftig durch. Deutschland - „weit weg“ von den wirtschaftlichen Sturmfluten am Mittelmeer – schwingt sich zum Saubermann gesunden Haushaltens empor und fühlt sich als Vorbild für alle, die unterm Schirm Schutz vorm Regen suchen.

 

Doch nun haben sich einige Politiker was ganz Tolles ausgedacht. Das Land Sachsen-Anhalt weist die höchste Dichte an Denkmälern, Burgen und Schlössern in Deutschland auf und hat eine historisch gewachsene Kulturlandschaft mit interessanten Museen und vor allem lebendigen Theatern. Die Landespolitiker wollen es nun scheinbar den griechischen Kollegen mal so richtig zeigen (so könnte man einfältig vermuten), wie man trotz großer kulturhistorischer Verpflichtungen imstande ist, eine Senkung des Kulturhaushalts gegen alle Widerstände durchzusetzen.

 

Das Vorhaben die Landeszuwendungen für Theater im Kulturetat Sachsen-Anhalts für 2014 von 37 Millionen € um nahezu 6 Millionen € zu kürzen (Quelle: Haushaltsentwurf 2014, Land SA) zeugt nicht nur von fehlendem Bewußtsein der regierenden Landespolitiker für den Erhalt bestehender dinglicher Kulturwerte wie Baudenkmäler und Theatergebäude durch eine ausgewogene Nutzung, sondern auch von einer kulturpolitischen Blindheit für die kommenden Generationen. Welches Theaterensemble, dem ganze Sparten am Haus gestrichen werden, schafft es nach einer derartigen künstlerischen Dezimierung die Qualität zu halten.

 

Kultur kann nicht mit einem Lichtschalter aus und wieder an geschaltet werden, sie braucht Zeit sich zu entwickeln und zu entfalten. Sie bedarf andauernder Pflege und hängt unmittelbar mit dem Engagement der Menschen vor Ort zusammen.

 

Kluge Entscheidungsträger mit politischer Verantwortung hören auf die Befindlichkeiten ihrer Wähler und sollten sich stets an deren Engagement vor Ort ein Vorbild nehmen – nicht nur unmittelbar vor den Wahlen, sondern 365 Tage im Jahr.

 

Deshalb zum Schluss nur noch ein wohlgemeinter Rat: „Liebe Griechen, bitte eifert diesem VORBILD zur Haushaltskürzung nicht nach!“

 

Blog vom 10.10.2013

UNS HALTEN NUR DIE GRENZEN, DIE WIR UNS SELBST SETZEN.

Zum Beispiel mit nur sechs Messehallen...

... bei der EXPO REAL in München. Nach zwei Tagen gezielten Suchens im Gewühl der schwarzgrauen Anzugmassen musste ich leicht konstaniert feststellen, dass sich der Immobilienmarkt zwar entwickelt, sich jedoch noch nicht der eigentlichen urbanen Problemzonen annimmt.

Mir ist schon klar, dass sich die Münchener Messe durch das Anbieten einer Vermarktungsplattform für erfolgreiche Projektentwicklungen erst zu dem Medium entwickeln konnte, wie sie es eindrucksvoll in den letzten drei Tagen demonstrierte.

Doch wo sind die kreativen Ideen, die für die Zukunft neue Entwicklungen voranbringen könnten? Ich sah große, gestylte Messestände von Bauunternehmen, Banken, Großstädten, Ballungszentren, Projektentwicklern und Immobilienunternehmen - alle mit großformatigen Modellen, geleckten Hochglanzprospekten, mehrköpfigen Podiumsdiskussionen und aufwendig inszenierten Videopräsentationen. Aber keine neuen Konzepte...

In Deutschland setzt sich eine allgemeiner Trend der zunehmenden Abwanderung aus dem ländlichen in den städtischen Lebensraum fort, jedoch bei genauerer Betrachtung ist es auch ein Massenexodus der Kleinstädte. Er wird nicht plötzlich von heute auf morgen stattfinden, eher schleicht er sich durch den Haupteingang. Eigentlich für alle sichtbar.

Ist es zielführend, diesen Trend weiter zu befördern und ganze Landstriche zu entvölkern? Oder wäre es nicht sinnvoll, sich auch der mittelgroßen Städte anzunehmen und sie durch gezielte Entwicklungen mit neuem Leben zu erfüllen.

Unbestritten sind da die Macher der Messe gefordert, so etwas inhaltlich vorzubereiten und bei den Beteiligten Playern anzuregen, klar müssen auch für die Mittelgroßen Städte die Messestände bezahlbar sein, um sich dort präsentieren zu können. Es könnte vielleicht für die Messe eine Chance sein, zum Beispiel 2014 mit neun Hallen an den Start zu gehen und die zentral gelegene Halle für den jährlichen Themenschwerpunkt zu nutzen - für echte, kontrovers geführte Diskussionsrunden zu möglichen Lösungsansätzen und für die Präsentation von Standorten mit Entwicklungschancen. Das heißt, mit acht Hallen das Geld verdienen und mit mindestens einer die Akzente für die Zukunft setzen.

Problemzonen gibt es genug, ob Tagebaufolgelandschaften, Schrumpfende Städte, Industriebrachen, ehemalige Truppenübungsplätze, verwahrloste Stadtviertel, gesellschaftliche Wechselwirkungen im Umfeld von Großprojekten, demographischer Wandel oder fehlende nachhaltige Entwicklungen im dörflichen Lebensraum. An dieser Stelle bedarf es den MUT der Verantwortlichen, die Grenzen zu überschreiten und neue Wege zu gehen.

Ich bin gespannt. Vielleicht geht ja das Samenkorn auf...

Blog vom 24.09.2013

FARBENSALAT UND LEUCHTKRAFTVERLUST

Nachbetrachtung zur Bundestagswahl

Insbesondere die Freunde der Schadenfreude feierten den letzten Sonntag als Ihren ganz besonderen Feiertag. Ab 18:00 Uhr überschlugen sich die Meldungen, daß im 18. Bundestag nun eine Politische Farbe weniger vertreten sein wird. Ob nun dieser Farbverlust, der in der politischen Wirkung eigentlich schon länger andauert, nur ein vorübergehender 10-%iger Leuchtkraftverlust der Farbe GELB ist, mag dahingestellt sein.

Was aber viel entscheidender ist, der Berufsstand der Architekten im weitesten Sinne wird im 18. Bundestag um weitere 17% an Wirkung verlieren. Zukünftig werden nach meiner Zählung nur noch 1 Stadtplaner, 2 Architekten, 1 Innenarchitektin und 1 Landschaftsarchitektin vertreten sein. Da diese dann nur den politischen Farben SCHWARZ und DUNKELROT zugeordnet sind – bei den GRÜNEN und ROTEN breitet sich da zukünftig eine gähnende Berufsstandleere aus (sieht man mal von einem ROTEN Bauingenieur ab) – wird die Einigkeit innerhalb der politischen Architektenschaft höchstwahrscheinlich nicht in einer gemeinsamen regierungsfähigen Koalition gebündelt werden können.

Gräbt man noch tiefer, zum Beispiel im „Ausschuß für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung“, gab es im 17. Bundestag unter 37 Mitgliedern gerade mal 3 Architekten/Stadtplaner/Innenarchitekten von insgesamt 6 gewählten Bausachverständigen im gesamten Abgeordnetenhaus. Das heißt, von insgesamt 6 Architekten konnten zumindest 50% ihre Wirkung im Fachausschuß zur Geltung bringen, in welchem sie bei 37 Stimmen ein Gewicht von 8% innehatten. Ob diese dann mit unterschiedlicher politischer Farbzugehörigkeit auch noch mit einer Stimme gesprochen haben, kann ich nicht beurteilen, da hätte man zu gegebener Zeit „Mäuschen spielen“ müssen…

Zumindest wären bei gleicher Quote im Fachausschuß des 18. Bundestages zukünftig nur noch 2,5 Architekten vertreten, den Halben müssten wir dann auch noch abziehen. Der kann sowieso nichts sagen, weil er den Mund nicht artikuliert aufbekommt. Und dann sitzen sich wahrscheinlich ein DUNKELROTER und ein SCHWARZER Architekt gegenüber und feinden sich höchstwahrscheinlich aus Parteiräson bis aufs Messer an oder reden vielleicht gar nicht miteinander.

Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen: vergleicht man die Freien Berufe und ihre Wirkung auf die politischen Entwicklungsrichtungen, schneidet da außer unserer eigenen eine Berufsgruppe besonders auffallend ab, nämlich die der Juristen. Im 17. Bundestag waren von 623 Abgeordneten 155 studierte Rechtswissenschaftler (ein sattes Viertel aller Abgeordneten!). Im ehemaligen Rechtsausschuß konnten da natürlich aus Ermangelung einer ausreichenden Anzahl von Stühlen nicht alle Mitglied sein, doch schafften es bei insgesamt 37 Mitgliedern 35 mit einem abgeschlossenen Jurastudium in den Ausschuß - das entspricht einer berufsständigen Wirkungskraft von 94 Prozent. Da muß sogar Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel vor Neid erblassen. Im Übrigen spielte es da schon keine Rolle mehr, welches Mannschaftsshirt die Juristen trugen, allzumal der Vorsitzende und die stellvertretende Vorsitzende auch zur gleichen Berufsgruppe gehörten. Aus marketingtechnischer Sichtweise kann man das als eine sehr erfolgreiche Lobbyarbeit bezeichnen. Gratulation an die Juristen!

Angesichts der präsentierten Zahlen haben nicht die GELBEN an entscheidender Leuchtkraft verloren, sondern wir Architekten selbst. Unser Berufsstand driftet aktuell in die FARBLOSIGKEIT ab. Bald werden wir wie unser eigenes Transparentpapier enden, … „Originale“ werden schon längst nicht mehr mit Tusche gezeichnet.

Wirkliche Akzente können wir in der gesellschaftlichen Entwicklung nur dann setzen, wenn wir uns unserer Farbvielfalt aber auch unserer Einigkeit besinnen, wenn es um entscheidende Entwicklungsrichtungen in der Baupolitik geht. Vielleicht schafft es ja irgendwann mal ein Architekt oder Stadtplaner sich zu einem FARBENFROHEN, ideensprühenden Bundesbauminister zu entwickeln. Gebrauchen könnten wir ja einen…

Blog vom 01.07.2013

DARF ES NOCH EIN KEKS SEIN?

„Mach die Augen zu! Hier hast Du einen Keks!“, …

... klingt noch heute ein alter Witz in meinen Ohren nach. Doch dieser tröstende Spruch funktioniert heute nicht mehr, denn nun schauen mich die verschmitzten, hellwachen Augen meines Sohnes an und er fordert unter Zeigen aller Finger seiner Hand: „Nein, ich will soviel!“

Dabei weiß er noch nicht einmal wie der Dinkelkeks schmeckt, aber das spielt jetzt erst einmal keine Rolle. Viel wichtiger ist es ihm sich rechtzeitig den Nachschub zu sichern.

Wenig später halte ich eine der vielen namenlosen Immobilien-Prospekte aus dem Münchener Umland in meinen Händen – und da sehe ich ihn wieder, diesen imaginären „Keks“ für die hungrigen Massen: quadratisch, praktisch und … vor allem weiß! Rechteckige Schachteln etikettiert mit dem Untertitel „im Bauhaus-Stil“ suggerieren eine moderne Leichtigkeit, viel Licht und Luft. Dieser Einfamilienhaus-Keks ist hip, er ist in.

Ein cleverer Marketing-Stratege muss sich gedacht haben, wenn wir die gedeckelten Architektur-Keksrollen der Neunziger nicht mehr im Ganzen an jeder Häuserecke aufstellen können, lasst uns doch die Verpackung aufreißen und nun die Kekse weiß getüncht einzeln verkaufen.

Doch woher kommt dieser Hype? Warum wollen so viele eine weiße, gesichtslose, sterile Box? Ist das alles auf diese geniale Werbekampagne der großen Technikfirma mit angebissenem Logo-Obst zurückzuführen? Alles weiß, alles clean, alles schick! Werden wir immer mehr von der Werbung getrieben? Wahrscheinlich…

Doch bevor ich von einem Keks mehr haben will, koste ich ihn erst einmal. Geschmacksknospen müssen trainiert werden, jeder schmeckt es anders und über Geschmack lässt sich bekannterweise streiten. Doch Häuser sollten keine geschmacklose Massenware sein, sonst sieht es bei uns bald so monoton wie im Ligusterweg in Little Whinging aus.

Und darum werde ich nun meinem Sohn bei seiner nächsten 5-Finger-Forderung anbieten, dass wir uns unsere eigenen, ganz individuellen Kekse backen werden. So viel er will…